Geschrieben von: Star
am 30.04.2012
um 08:01
  
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Aber ist das nicht der »Journalismus« von heute?Der ja ein Problem gegen alle möglichen Richtungen hat – von seiner Unterwanderung durch sein Gekauftsein (und sei’s durch das Richtungsdiktat des Verlegers), seiner Dauergefährung durch die ubiquitäre Versuchung der PR bis zur beschworenen respektive tatsächlichen (eigenverschuldeten) Überflüssigkeit? All das, was Sie zu recht monieren, kommt genauso etwa in »Kulturzeit« vor, der angeblich so wichtigen Insellage der Intellektualität im deutschen Idioten-Fernsehen. Was die Moderaten und Beiträger über die angeblich berichtenswerten Dinge der Welt auszusagen haben (allein deren Auswahl ist oft genug Aussage), ist derart erwartbar, ist solch ein öder ausgebluteter Konsensterror, dass es eigentlich endlich mal hinweggefegt gehörte – und sei es nur, damit es sich erneuern kann. Ehrlich gesagt habe ich mir das Maschmeyer-Stück nicht ansehen wollen, um nicht in eigene Fallen von Erwartungshaltungen zu fallen: All diese durchsetzungsfähigen Geld-Leute, die Alphatiere, politisch- prominent-verstrickt oder nicht, sind eigentlich fast immer uninteressant, sind richtigehend dumm – es sei denn, man nähme sie her für die Zustandsbeschreibung unserer Republik. Aber welchem Bankheini Merkel ihr Kanzleramt für Geburtagsfeiern öffnet, wie stabsmäßig Bertelsmann-Stiftungen Agendasetting betreiben oder wie Lobbyisten Gesetzgebungsverfahren bestimmen… es ist einfach zu zersetzend geworden, sich das alles klar zu machen. Stattdessen denke ich immer öfter: Gut, wenn die mit ihren Möglichkeiten (und sei’s nur der Abschottung und Ignoranz) den Plebs so behandeln, dann haben sie zumindest auch solche Zecken wie Lütgert im Pelz verdient. All das mit den öden Fakten und den 61-Seiten Einstweiligen Verfügungen ist eh im eklatanten Missverhältnis und für die »Wahrheitsfindung« – im Sinne Fritz Teufels – nicht wirklich mehr »relevant«. Wen kümmern Verantwortlichkeiten? (Man denke allein an die Kosten und die absehbare Ergebnislosigkeit, die jetzt mit der Aufklärung der verschwundenen bayrischen Bankmilliarden auf den Steuerzahler zukommen: Klar, es braucht rechtlich saubere Verfahren, aber das »Recht« ist bei solchen Dimensionen und der Trägheit der Verhältnisse fast immer längst anderswo: Wie offensichtlich erbärmlich ist denn unser berufsethisch runtergeregeltes Medienpersonal, das vor und hinter den Kameras? ) Und warum soll man selber andauernd differenzieren, wenn die per Fernsehaufsager ihre plattes Bohren dicker Bretter betreiben, bis eine genügend träge Anzahl im Stimm-Volk daran glaubt. («Nein, bitte bloß keine Steuern senken, wir wollen lieber unsere Schuld abtragen, etwa die der uns abzockenden Atom-Industrie, der wir noch die Entwicklung ihrer Meiler bezahlt haben… Und wahrscheinlich wird sich das beim Elektroauto wiederholen – schafft die Industrie ja ohne unsere Hilfe nicht.) Aber noch mal zum Journalismus. Ich habe mal eine Zeit lang englische Presse-Verhältnisse erlebt und würde sofort zugeben: Sie sind widerlich! Aber sie haben doch, als Front, etwas klar gemacht: Mit dem seinerzeit schon darbenden bis aussterbenden »Journalismus« kommt man gegen »die da« – die reale Feinde des Gemeinwesens sind – nicht an. Die britisch-bösen Stückchen etwa über die Nöte an ihrer Gartenverschönerung der Anbgeordneten waren aufklärerischer als alldas Faktengehuebre. (Was englische Abgeordnete sich alles so bezahlen ließen, war ja seit Jahren bekannt: Da braucht es manchmal die »pointierte« oder eben auch nur angemessene Darstellungsform.) Und warum soll »Aufklärung« nicht unterhaltsam (und auch angemessen böse!) à la Michael Moore sein? Letztlich geht es auch bei Medien und der andauernd beschworenen »Information« für uns Scheinformierte um eine Front: Siehe Wikileaks, das uns klar macht, dass nicht China oder irgendwelche Ayatollahs – von denen erwartet man nichts anderes – sondern unser Großverbündeter USA der »rogue state« (Sloterdijk), der Feind im Innern ist. Zugegeben: Zum Schluss muss man nach »der Wahrheit« suchen – oder zumindest ihrer richtigen Gewichtung. Aber das bleibt ja an sich strittig. Und so lange sie tendenziell durch die real-existierenden Verhältnisse so vernachlässigbar ist, die Wahrheit – sie wird ja nicht umsonst so oft verhandelt als »Rechtsposition« (siehe die Prominenz des Bundesverfassungsrichts) – sind solche wie Lütgert mir ganz lieb. Sonst stribt Journalismus wirklich noch als Papiertiger. (ENtschuldigung, dass ich so lang geworden bin…
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